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Das politische Schaffen Bismarcks

Bismarck

Im Jahre 1840 wurde Friedrich Wilhelm IV. gekrönt. Bismarck besuchte gemeinsam mit seinem Vater die Huldigungsfeier im Lustgarten des Berliner Schloss. Es war die Zeit der Liberalen, die sich zeitgemäße Reformen erhofften. Friedrich Wilhelm IV. lehnte eine konstitutionelle Verfassung ab, dies war auch Bismarcks Meinung. Das einzige Zugeständnis des Königs 1847 war die Einberufung des Vereinigten Landtags (ständische Versammlung aus Mitgliedern der 8 Provinziallandtage).

Durch den Pietistenkreis kam Bismarck zum näheren Kontakt zu einflussreichen konservativen Politikern, wie Ludwig von Gerlach (Präsident des Magdeburger Appellationsgerichts). Er zieht deshalb von Kniephof nach Schönhausen (nahe Magdeburg) um.

Im Mai 1847 rückte er für den erkrankten Abgeordneten des sächsischen Provinziallandtages nach und erhielt somit ein Mandat im Vereinigten Landtag. Bismarck war inzwischen 32 Jahre alt. Er hatte den Vorsatz, die Patrimonialgerichtsbarkeit zu erhalten, die konservativen Standesinteressen gegen die Ansprüche des liberalen Zeitgeistes verteidigen. Seine erste Rede hielt er am 17. Mai, worin er die liberale Interpretation der Volksbewegung vom 1813 bestritt. Nach der zweimonatigen Sitzungsperiode hatte Bismarck endlich das politische Terrain gefunden, welches er als Fähigkeiten erkannte. Nun konnte er nicht mehr davon lassen. Er stürzte sich regelrecht ins Kampfgetümmel und hatte sich einen Namen als unbedingten Vorkämpfer der Krone gemacht. Er baute den Einfluss in den hochkonservativen Kreisen der Hofpartei aus. Selbst dem König war Bismarck angenehm aufgefallen.

1848 ereignete sich die Märzrevolution und drohte Bismarck einen Strich durch die Rechnung zu machen. Österreich und Preußen hatte die revolutionäre Welle aus Frankreich erfasst. Am 18. März siegt die Revolution. An diesem Tag war er in Potsdam und führte Gespräche mit dem Militär wegen Gegenaktionen. Inzwischen hatten sich die königstreuen Bauern in Schönhausen mit Jagdgewehren bewaffnet. Sie sollten Bismarck und dem König eventuell zu Hilfe eilen. General von Prittwitz legte allerdings keinen Wert auf die Unterstützung des undisziplinierten Bauernhaufens. Aber Bismarck ließ nicht locker. Am 23. März verschaffte er sich Zugang zur Prinzessin Augusta (später Königin von Preußen und Kaiserin des Deutschen Reiches). Er möchte Sie für einen Plan zur Gegenrevolution unter Ausschaltung des amtierenden Königs gewinnen. Augusta war empört und hegte daraufhin einen lebenslangen, leidenschaftlichen Hass gegen ihn. Bismarck hatte nun die Hoffnung auf eine gewaltsame Gegenrevolution am 25.März begraben.

Bismarck bot nun im Vereinigten Landtag den Liberalen die Hand zur Zusammenarbeit. Seine hochkonservativen Freunden und Förderer waren empört. Anfang Juli 1848 war die Gegenrevolution in Europa auf dem Vormarsch und Bismarck entschuldigte sich deshalb bei den Hochkonservativen für sein damaliges Schwanken. Er beteiligte sich an der Gründung der hochkonservativen „Neuen Preußischen Zeitung“ und schrieb nicht namentlich gezeichnete Artikel. Im August 1848 traten 400 Adlige zum so genannten „Junkerparlament“ zusammen. Sie protestierten gegen alle Eingriffe in das Eigentum. Bismarck war bis hier um viele Jahre gealtert. Dies war der Tribut an die politische Tätigkeit, denn er reiste viel in der zweiten Hälfte von 1848: von Schönhausen nach Berlin über Potsdam und zurück nach Brandenburg usw. Im Frühherbst 1848 festigte sich nun wieder die preußische Krone. Die Gegenrevolution siegte endgültig im November 1848. Friedrich Wilhelm IV. war allerdings unentschlossen über das Angebot, Bismarck einen Ministerposten als Lohn anzubieten, denn Bismarck hatte den Ruf eines bedenkenlosen, reaktionären Scharfmachers. Im Januar 1849 wurde er lediglich zum Kandidat für die zweite Kammer benannt. In seinem Wahlkreis setzte er sich mit knapper Mehrheit durch. Wenige Monate später wurde der Landtag durch den König aufgelöst und das 3-Klassen-Wahlrecht verordnet. Juli 1849 war Bismarck als Sprecher der Ultrakonservativen in der neu gewählten Kammer des Landtags vertreten. Er verpachtete Schönhausen und zog mit seiner Familie nach Berlin um.

Die Zurückweisung der Kaiserkrone vom preußischen König hatte für Bismarck eine große Bedeutung in seiner politischen Entwicklung. Die deutsche Frage war für ihn nicht aus der Welt. Diese Frage beherrschte jetzt alle Gemüter. Bismarcks künftige Maxime waren: Preußen sind wir und Preußen wollen wir bleiben. Er wollte die preußische Macht erhalten und stärken und war gegen das Projekt einer „Union“. Das Projekt wurde von Friedrich Wilhelm IV. angefangen. Er wollte die „deutsche Frage“ von oben klären, ohne und gegen Österreich, allein durch die Vereinbarung der Fürsten untereinander. Deshalb wurde Bismarck Schriftführer des Präsidenten (jüdischer Gelehrter) des „Unionsparlaments“ in Erfurt. Das Unionsparlament sollte über die Verfassung in einem künftigen Bundesstaat beraten. Bismarck ist im April 1850 scharf gegen eine Mediatisierung Preußens. Das Unionsprojekt scheiterte, zum Glück Bismarcks, im Winter. Grund hierfür war die Einladung Österreichs nach Frankfurt, um über die Wiederherstellung des Deutschen Bundes zu beraten. In der Olmützer Punktation vom 29.11.1850 musste Preußen klein beigeben: es musste auf die Union verzichten und sich bereiterklären nach Frankfurt zurückzukehren. Dabei wurde Preußen keine Parität bei der Leitung des Deutschen Bundes zugesichert. In den Reihen der Konservativen wurde dies als Schmach empfunden. Bismarck hielt am 03.12.1850 eine Rede vor der zweiten Kammer zur Verteidigung der Olmützer Punktation, weil mit dieser Punktation ein Krieg europäischen Ausmaßes verhindert wurde. Er bekannte sich unverhüllt zum staatlichen Egoismus und wuchs über seine junkerliche Interessen hinaus. Im April 1851 wurde er preußischer Gesandter am Frankfurter Bundestag. Dort erlernte er rasch das diplomatische Handwerk.

Bismarcks Diplomatische Jahre

Nach Frankfurt ging er mit dem festen Vorsatz, die Interessen Preußens wirkungsvoll zur Geltung zu bringen und den Führungsanspruch Österreichs im Deutschen Bund streitig zu machen. Er handelte dabei auf den Weisungen der Berliner Regierung und konnte die Auseinandersetzungen in Frankfurt weitgehend selbst bestimmen. Jede Gelegenheit nutzte er, um die Wiener Diplomatie zu attackieren und die Grenzen der Bundeskompetenz von Frankfurt aufzuzeigen. Die „Politik der Schikane“ erschwerte und legte teilweise die Arbeit des Bundestages lahm. Österreich versuchte die Bundeskompetenzen durch seine Aufnahme in den von Preußen gegründeten Zollverein auszuweiten. Daraufhin drohte Bismarck mit dem Austritt Preußens aus dem Deutschen Bund und mit Krieg. Damit überschritt er seine Instruktionen. Preußen setzte sich durch und Österreich wurde mit einem Handelsvertrag abgespeist. Österreich blieb weiterhin vom Zollverein ausgeschlossen. Dies war eine wichtige Vorentscheidung für die künftige kleindeutsche Lösung unter Preußens Führung.

Während des Krimkriegs (1854-1856) nutze Bismarck den Konflikt zwischen England, Frankreich und Russland aus, um Preußens Stellung gegenüber Österreich zu verbessern. Berlin war sich uneins über den eingeschlagenen Kurs Bismarcks in der Außenpolitik. Friedrich Wilhelm IV. war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Preußens Neutralität und der Furcht das Land in eine Isolierung zu führen. Im Frühjahr kam es zu einem heftigen Konflikt zwischen Bismarck und seinen hochkonservativen Freunden. Sie meinten, dass Napoleon III. Preußens natürlicher Feind sei und es so bleiben müsse. Für Bismarck war jedoch die Legitimität des Herrschers zweitrangig. In der Außenpolitik interessierte ihn Frankreich, ohne Rücksicht auf die jeweilige Person an seiner Spitze, nur als ein Stein, und zwar ein unvermeidlicher im Schachspiel Politik. Für ihn war der Gesichtspunkt des preußischen Staatsinteresses leitend. Dies hatte zur Folge, dass seine früheren Gönner sich distanzierten.

Januar 1859 wurde er vom Frankfurter Posten abberufen und als Gesandter nach Petersburg versetzt. Daraufhin erkrankte er, was eine Reaktion seines labilen Nervenkostüms war. In Petersburg erweiterte und vertiefte er seine Kenntnisse über die Einzelinteressenlage einzelner Mächte. Er erfreute sich großen Wohlwollens in den russischen Regierungskreisen und am kaiserlichen Hof. Prinz Wilhelm (zu diesem Zeitpunkt Vertreter des erkrankten Königs Friedrich Wilhelm IV.) wurde von Bismarck aus Petersburg mit Denkschriften und Briefen überschüttet. Im Sommer 1859 entzündete sich Bismarcks linkes Bein und er kehrte nach Berlin zurück. Auf der Rückreise holte er sich noch eine Lungenentzündung dazu. Er war Monate krank, aber einen Rückzug ins Private kam für ihn nicht in Betracht. Die Leidenschaft Politik hatte ihn erfasst. Er hatte den Wunsch eine Machtposition zu erringen, um seine politischen Vorstellungen und Ziele umzusetzen. Im Juni 1860 befand er sich im „Wartestand“ in St. Petersburg. Friedrich Wilhelm IV. war inzwischen verstorben und Wilhelm wurde zum König gekrönt. Im Bundestag spitzte sich der Heeres- und Verfassungskonflikt zu.

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