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Die Person Otto von Bismarck

Bismarck

Er kam in seinem Leben immer wieder auf seine Kindheit zu sprechen: Er war der Überzeugung, daß niemand den Stempel verliert, den ihm die Zeit der Jugendeindrücke aufprägt.

Am 1. April 1815 wird Bismarck in Schönhausen in der Altmark geboren. Er war das vierte Kind. Sein Geburtsjahr war das Jahr des Wiener Kongresses.

Viele Erzählungen der Älteren über die Franzosenherrschaft begleiteten seine ganze Kindheit.

 

BismarckNach der Niederlage Preußens bei Jena / Auerstädt wurde auch das Schloss Schönhausen von den Franzosen besetzt und das Dorf geplündert. Der Bruder seines Vater klagte über die Abtretung der westelbischen Gebiete durch den Frieden von Tilsit, und dass Preußen keine Einheit im Territorium bildete. Diesen Zustand zu beenden, Preußens Macht in Deutschland zu vergrößern, Preußens Stellung in Europa auszubauen, sollte eine wichtige Antriebskraft für Bismarck werden.

Bismarck wurde durch die Besonderheiten seiner familiären Herkunft geprägt. Sein Vater Ferdinand von Bismarck war Angehöriger eines Adelsgeschlechtes in der Altmark. Bismarcks Mutter Wilhelmine Luise, geb. Mencken, war Angehörige einer Familie aus Gelehrten und hohen Beamten. Anastasius Ludwig Mencken, sein Großvater, war Kabinettssekretär bei Friedrich des Großen. Bismarck hatte einen älteren Bruder Bernhard und eine jüngere Schwester Malwine. Die ersten Jahre verbrachte Bismarck auf dem Gut Kniephof in Pommern. Dies war für ihn das Paradies seiner Kindheit. Hier lag auch der Grund für seine Liebe zum Lande. Diese ländliche Idylle endete abrupt als ihn 1822 seine bildungsbeflissene Mutter, die ihrem Sohn eine Beamtenlaufbahn zudachte, in die Plamannsche Bildungsanstalt (Berlin) schickte. Bismarck

Mit 12 ½ Jahren wechselte er an das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Er nutzte jede Gelegenheit dem Unterricht fernzubleiben.
Er wechselte mit 15 ½ Jahren ins Graue Kloster. Bismarck wurde jedoch nicht von der humanistischen Bildung beeinflusst und es fand auch keine nachhaltige Formung seiner Persönlichkeit statt. In seinem Abiturzeugnis mit 17 Jahren wurde ihm „eine sehr erfreuliche Gewandtheit“ im Deutschen bescheinigt, sowie dass er „die französische und englische Sprache mit besonderem Erfolge betrieben“ hatte. Im Mai 1832 geht er zur Georgia-Augusta-Universität in Göttingen.

Auf der Universität schloss er sich keiner Burschenschaft an, sondern dem landesmannschaftlichen Corp die HANNOVERA. Er führte ein rauf- und trinkfreudiges Leben eines Corpsstudenten in vollen Zügen. Mit seinem extravaganten Äußeren erregte er Aufsehen: er kleidete sich mit einem schlafrockähnlichem Gewand bis zu den Füßen, war schlank und hatte einen riesigen schwarzgelben Hund. In Göttingen wies er einen Hang zur Großsprecherei auf: Ich werde entweder der größte Lump oder der erste Mann Preußens. Auf der anderen Seite war er ein ernsthafter, nachdenklicher junger Mann und ein gut belesener Gesprächspartner. 1833 wechselte er zur Universität nach Berlin. Die Zahl der hier belegten und besuchten Vorlesungen sank von Semester zu Semester. Die einzigen Vorlesungen, den er regelmäßig nachkam, waren die des 71jährigen Historiker Arnold Heeren. Bismarck war von diesen Vorlesungen über die auswärtige Politik und ihren Einfluss auf die Entwicklung internationaler Staaten beeindruckt. Er beschränkte sein Studium also auf das Notwendigste. Sein erstes juristisches Staatsexamen legte er 1835 ab. Danach arbeitete er als Auskultator am Berliner Stadtgericht. Er führte Protokolle, nahm Zeugenaussagen auf, setzte Klagen auf und ging anderen wenig erprießlichen juristischen Hilfsdiensten nach. Er war die ersten Monate fleißig und diszipliniert. Im Sommer jedoch bekam er leise Zweifel an der Richtigkeit der Beamtenlaufbahn. Er hatte Sehnsucht nach der junkerlicher Existenz (väterliches Erbe), wollte nach Höherem streben und die in ihm schlummernden, intellektuellen Kräfte (mütterliche Mitgift) wecken. Er fasste den Entschluss über eine Ausbildung in der Verwaltung eine Aufnahme in den diplomatischen Dienst zu erreichen. Er ersuchte 1836 den Regierungspräsidenten der Rheinprovinz das Examen in Aachen ablegen zu dürfen. Er schrieb beide Prüfungsarbeiten im väterlichen Schloss Schönhausen. Im Juni bestand er die mündliche Prüfung. Er wurde „sehr gut befähigt“ zum Regierungsreferendar ernannt. Er hatte einen wohlwollenden Vorgesetzten, welcher die ungewöhnliche Intelligenz des 21jährigen Bismarcks erkannte.

In Aachen fühlte er sich zu den Gästen der englischen Aristokratie hingezogen. Er verliebte sich im August in Laura Russell (Nichte des Herzogs von Cumberland). Die Bewegung in der mondänen Welt kostete viel Geld, mehr als für Bismarck verfügbar war. Er versuchte sein Glück am Spieltisch, verlor häufig und vergrößerte seinen Schuldenberg. Aus der Erde wie Nachtwächter bei der Notpfeife wuchsen die Gläubiger zu seinem Leidwesen. Im Januar 1837 ging er ein Verhältnis mit einer 36jährigen verheirateten Französin ein. Er hatte auch immer noch das Verhalten eines Corpsstudenten. Im Sommer 1837 verliebte er sich in die Engländerin Isabella Loraine-Smith, welche eine Freundin Lauras war. Er reiste ihr in einem 14tägigen Urlaub quer durch Deutschland nach und überschritt dabei seinen Urlaub um Monate. Er gab viel Geld für Champagner-Diners und Glücksspiele aus. Isabella beendete die Liaison. Daraufhin kehrte Bismarck nach Aachen zurück. Die Geduld des Vorgesetzten war jedoch erschöpft. Die hoffnungsvoll begonnene Karriere war beendet.

Er kehrte im September 1837 nach Pommern heim. Im Dezember ersuchte er das Potsdamer Regierungspräsidium seine Referendarausbildung abschließen zu dürfen. Aber auch hier gab er nach wenigen Monaten auf. Danach folgte er seinem einjährigen Militärdienst. Auch diesem kam er nur unregelmäßig nach. Er entschied sich im Sommer 1838 den Staatsdienst zu quittieren und verschwieg den wesentlichen Grund: die enorme Summe an Schulden. Er wusste, er konnte sie nur durch den Erwerb von selbständigem Vermögen abwickeln.

Ab dem Sommer 1838 bewirtschaftete er deshalb die väterlichen Güter. Dies war die Zeit starker innerer Unruhe und mühsam gezügelter Spannungen. Hier war er sein eigener Herr und musste niemanden gehorchen. Innerhalb weniger Jahre hatte Bismarck die Güter saniert und weitgehend seine Schulden abgezahlt. Zusehends klagte er jedoch über Langeweile und Einsamkeit.

1842 beging er eine längere Auslandsreise. Er bereiste England, Frankreich und die Schweiz. Er möchte 1844 wieder in den Vorbereitungsdeinst aufgenommen werden und stellte daraufhin nochmals einen Antrag bei der Potsdamer Regierung. Dieses Mal hielt er es nur wenige Monate aus.

Im Januar 1845 zieht er Bilanz und schrieb an einen Studienfreund: unverheiratet, sehr einsam, 29 Jahre alt, körperlich wieder gesund, aber geistig ziemlich unempfänglich [...] Mein Umgang besteht in Hunden, Pferden und Landjunkern [...]. Befreit wurde er aus Perspektiv- und Bindungslosigkeit durch den Kontakt zum Kreis der pommerscher Pietisten, welcher sich um den Gutsherrn Adolf von Thadden gebildet hatte. Der Kontakt kam durch den Schulfreund Moritz von Blankenburg zustande. Moritz war liiert mit Marie von Thadden. Zu ihr fühlte sich Bismarck unwiderstehlich hingezogen. Ihr ging es ebenso. Eine Trennung von Moritz kam allerdings für sie nicht in Betracht. Marie wollte deshalb Bismarck auf ihrer eigenen Hochzeit mit einer engen Freundin (Johanna von Puttkammer) bekannt machen. Bismarck und Johanna kamen sich aber erst auf einer gemeinsamen Harzreise im Juli / August 1846 näher. Die Reise wurde von den Blankenburgs arrangiert. Den entscheidenden Umschwung von Bismarck, sich endgültig für Johanna zu entscheiden, kam erst mit dem Tod von Marie im November. Er kam zur Besinnung und inneren Einkehr.

November 1845 erhielt er die Nachricht vom Tod seines Vaters und siedelte deswegen nach Schönhausen über. Er schrieb hier kurz vor Weihnachten 1846 einen Werbebrief an Johannas Vater. In diesem Brief bemühte er sich intensiv um Johannas Hand. Die Antwort des Vaters war ausweichend. Bismarck nahm sich nun vor, direkt auf sein Ziel zu zusteuern und reiste am 12.1.1847 nach Reinsfeld. Beim ersten Anblick Johannas umarmte er sie. Dies rückte ihn bei ihren Eltern in ein anderes Stadium. Dadurch geriet alles in Richtigkeit. Nach dem vorbereiteten, diplomatischen Manöver die überraschende Attacke blieb auch später in seiner politischer Amtszeit die Methode. Johanna war die Frau, die bereit war sich schmiegsam anzupassen, eigene Bedürfnisse unterzuordnen und alles zu geben, was Bismarcks Mutter ihm verweigert hatte: die stabile emotionale Bindung. Johanna und Bismarck heirateten am 28. Juli 1847. Die Ehe hielt glücklich über 4 Jahrzehnte. Er liebte sie, erkennbar in seinen Briefen an Johanna, wo er z. B. schrieb: Ich habe ein rechtes Herzenbedürfnis bei Dir zu sein / mein geliebter Engel / mein Liebling / mein Herz. Johanna war anspruchslos bis zur Selbstverleugnung und ging in der Umsorgung ihres Mann und der Kinder auf. Marie war die erste Tochter der beiden (1848), dann folgte Herbert (1849) und Wilhelm (1852). Bismarck hatte nun sicheren Halt im Privatleben gefunden und konnte sich der Politik zuwenden.

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